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Motorradreisen in Südamerika
Tour 1: Von Bolivien nach Patagonien und zurück
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Küste bei Tocopilla auf dem Weg nach Iquique

Reiseverlauf:

Allein nach Santiago 

Um Urlaubstage zu sparen, soll Ann in einer Woche nach Santiago fliegen, und so fahr ich am 14.1.2001 morgens allein ab. Der Himmel ist grau, und kalt ist es auch. In El Alto bekomme ich die erste Dusche von einem Minibus und ärgere mich, nicht schon vorher die Regenkombi angezogen zu haben, was ich 80 km später nachhole.

Man hatte mir erzählt, welche tollen Ausblicke mich erwarten würden, doch alles bleibt in Nebel und Wolken. So fahr ich vorbei an den Begräbnistürmen und am Sajama. Die Grenze in Tambo Quemado ist ein kalter Ort, und ich bin froh, als ich in Chile bin. Dann hagelt es, nicht diesen Minihagel sondern richtigen. Meine Stimmung sinkt mit der Temperatur meiner Finger. In einer Kurve überhole ich einen PKW, der bremste, was ich nicht auf der Hagelschicht riskieren wollte, und wupps, schnappt mich die Polizei. Ich versteh immer Tribunal (soll ich standrechtlich erschossen werden?), aber irgendwie habe ich ja ein semidiplomatisches Kennzeichen und bald läßt man mich ungeschoren ziehen. Schnell fahre ich Arica entgegen und komme bald in die Wüste, wo es wunderbar warm wird. Diese Abfahrt ist für mich immer wieder etwas besonderes, da Landschaft und Klima sich so schnell verändern.

Am nächsten Tag fahre ich allein auf der Panamericana nach Süden. Das hatte ich eigentlich gar nicht vor, wollte ich doch die AT auf einen LKW und mich selber in einen Bus stecken, doch das fiel aus, weil der Norden Chiles zollfreies Gebiet ist, und dann geht das eben nur mit chil. Fahrzeugen. Um Arica ist die Wüste bergig und abwechslungsreich, aber ich weiß, daß es bald superlangweilig werden wird, und so freue ich mir den Ast, als ich auf der andern Bergkuppe ein Motorrad stehen sehe. Ein Travelkollege, welch ein Glück......einige Minuten später erklärt mir der "Kollege" ich sei 120 km/h gefahren und müßte zum Tribunal (zurück) nach Arica. Ich weiß nicht wie, aber ich schaffe es ihm beizubringen, daß wir doch Brüder im Geiste sind. Er bewundert bald darauf die AT und ich sein BMW-Vorkriegsmodell, dessen Verkehrstüchtigkeit wohl in Frage gestellt werden darf. So läßt er mich denn mit besten Wünschen ziehen und ich lenke bald danach über viele Stunden in böigem Seitenwind die AT dem Horizont entgegen. Heilige Langeweile! Zuweilen reißen mich die Grußkonzerte der LKWs regelrecht aus der Trance.

Ab Vallenar wird es richtig schön auf der Piste und ich bekomme wieder Freude am Fahren. Hinter La Serena treffe ich eine Kölner BMW mit völlig zerfahrenem Hinterreifen. Ich bleibe bei Gerd und eiere mit 80 km/h hinterher, was mich vor mindestens zwei Radarfallen rettet. In Santiago bleiben wir im SCS Hostal und treffen auf andere Biker.

Zwei Tage danach kommt Ann, und wir fahren zu zweit weiter nach Süden.....

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Begräbnistürme - Bolivien zwischen Patacamaya und Tambo Quemado

Von Santiago nach Chile Chico

Vollbepackt kommen wir bis Curico und landen im Prat Hotel, wo die AT (hier zum ersten Mal) durch die Eingangstür und Flur rollt, um vor der Küche einen sicheren Abstellplatz zu haben. Ich hatte mich wegen des Mehrvolumens dazu entschieden, beide großen Koffer an die Seitenträger zu hängen, wodurch die rechte Seite zum Segelohr wurde (Auspuffseite), und ich sollte dann auch zweimal hängen bleiben, wobei aber nichts passierte.

Wir kommen nach Los Lagos, wo wir wunderbaren Stinkkäse mit Röstbrot essen. Am Folgetag begrüßt uns der Regen, der uns tagelang treu bleibt. In Pargua setzen wir mit der Fähre (7$) über nach Chiloe. Die Gegend ist grün, naß und voller kleiner einfacher Holzhäuser. Sehenswert sind eigentlich nur die Kirchen. Was wir wirklich genießen sind die tollen Fischgerichte. Nach drei Regentagen stehen wir in Quellon und steigen auf die Fähre nach Puerto Chacabuco (123$) [etwas E/T mitnehmen, Frühstück bestand aus Käsebrot und Eiswaffeln]. Die billigsten Plätze entpuppen sich als gute Schlafsessel, das Moto steht sicher unter Deck, und am Morgen erleben wir wunderbare Ausblicke auf die Fjordlandschaft - ohne jeden Regen. Puerto Chacabuco ist ein wunderschöner Ort, doch schon hinter Coihaique kommen wir durch brutal gerodete Gebiete (der Staat zahlte Prämien). Wir biegen ab und sehen dann doch nochmal, wie schön die Gegend sein kann, und erreichen abends Ing. Ibañez, von wo wir am nächsten Morgen die Fähre nach Chile Chico nehmen wollen. Wir übernachten sehr gut und günstig im Residencial Ibañez (7$), wo allerdings das Essen teuer und wenig ist (Ann bestellt Salat und bekommt zwei Untertassen eine mit grünen Blättern, eine mit Tomatenscheiben) [E/T in Coihaique kaufen]. Draußen pfeift der Orkan und läßt uns an die Bootsfahrt denken.

Mit deutlicher Verspätung kommt am nächsten Morgen das Boot, und als letzte dürfen auch wir drauf (obwohl wir als erste da waren) [Moto selber fest sichern und darauf achten, daß es so gesichert bleibt. Ich verzurrte über Seitenständer, der Bootsmann wollte die AT an die Wand lehnen und machte meine Sicherung wieder auf!!!!!]. Nach knapp drei Stunden ist die Schaukelfahrt vorbei, und wir sind im Grenzort Chile Chico und fahren rüber ins argentinische Antigua.

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Der Sajama vor Tambo Quemado

Durch Patagonien 

Antigua hat ein mildes Mikroklima, aber da uns die Übernachtungsmöglichkeiten als zu teuer erscheinen, fahren wir weiter nach Perito Moreno. Schon wenige km später zerrt der patagonische Wind an uns und gibt uns eine erste Kostprobe. Hinter der Tanke in PM befindet sich eine Touriinfo und wir landen gut und billig im Santa Cruz Hotel [zum Frühstück gibts hausgemachte Marmelade]. Unser Ausflug zu den Cuevas de las Manos scheitert, da die Ruta 40 hier unten aus dicken Steinen besteht und wir einfach zu schwer sind. Wir nutzen den Tag unter anderem darüber zu reden, ob wir nach Ushuaia sollen. Aber wir haben einfach nicht die Zeit. Am nächsten Tag machen wir den Ausflug im Minibus mit Tourigruppe (je 30$). Es lohnt sich! Ein kleiner Canyon tut sich dort auf, in dessen Höhlen sich Zeichnungen befinden, von denen die ältesten um 14.000 v. Chr. datiert sind. Uns erinnern sie sehr an die Zeichnungen der Ureinwohner Australiens. Der Outbackcharakter hier gefällt uns sehr. Am nächsten Tag kämpfen wir wieder gegen den Wind und kommen bei Caleta Olivia an die Küste. Wir fahren die 3 nach Norden und biegen dann ab nach Camarones, einem kleinen Küstenort mit Pinguinkolonie. Zum ersten Mal zelten wir (gut fürs Budget zu einer Zeit in der der Peso Parität zum US$ hat). Zum NP gehts 27km über Gravel, je 5$ Eintritt, und dann stehen wir im Zentrum einer Pinguinkolonie von 35.000 Paaren. Es stinkt, es ist irre laut und überall laufen Pinguine in Kolonnen dem Wasser entgegen. Dabei watscheln sie ohne jede Scheu an uns vorbei und beäugen uns mindestens so, wie wir sie. Wir bleiben lange dort und wissen sicher, daß wir hier gerade unserem Reisehighlight begegnen. Der Rest des NP ist zwar schön, aber nach den Frackträgern.... Gegen 13.00 Uhr besuchen wir die Jungs nochmal und finden sie hechelnd in der Mittagssonne [unbedingt vormittags da sein].

Wir wollen weiter nach Norden zur Peninsula Valdez. Die 72km zur 3 dauern über zwei Stunden, da uns orkanstarke Böen von der Seite packen und immer wieder über die Gegenspur ins Grüne fegen wollen. Mehrere Notbremsungen werden fällig und ich fluche wie ein Kesselflicker. Dann auf der 3 kriegen wir den Wind von vorn, was wir wie eine Wohltat empfinden, denn die AT ist wieder lenkbar. Dennoch sind wir bald völlig verfroren und gönnen uns an einer Shell-Tanke je zwei Aufwärmkaffees für zusammen 10$. Endlich in Puerto Madryn, essen wir zum erstenmal im teuren Argentinien ohne Ende. Der China Comedor mit seinem all-you-can-eat-Angebot für 6$ läßt uns reichlich träge werden und wir müssen uns für die letzten km nach Puerto Pyramide mächtig aufraffen. Auf dem CP stellen wir das Zelt auf und gehen dann zum Wale beobachten. Wir starren wie hypnotisiert zum Horizont, aber ob die Schaumkronen da hinten von Walen verursacht werden? Wir reden es uns wenigstens ein!

Am nächsten Morgen machen wir die Inselrunde von 240km Dirt. Hinter Punta Delgada fahren wir auf die kleinen Pfade und schauen mal über die Steilküste und werden nicht enttäuscht. Da unten räkeln sich Seelöwen und Seelefanten in der Sonne und an anderer Stelle sehen wir spielende Seehunde. Wir sind begeistert, fahren weiter nach La Elvira, wo man sich den Seelefanten bis auf wenige Meter nähern kann (noch näher will man auch gar nicht). Wir kommen vorbei an Buchten mit Magellanpinguinen, Flamingos, Seevögeln und immer wieder die Monsterrobben. In Punta Norte soll man wieder mal Wale sehen können. Was wir sehen und hören ist Megaalarm in der Seelöwenkolonie. Welch ein Tag!

Nach einem weiteren Buffetbesuch im China Comedor fahren wir wieder etwas nach Süden, nach Gaiman, der ersten Stadt in Chubut, die von Walisern gegründet wurde. Ein nettes Städtchen, das einen alten Eisenbahntunnel besitzt, der als Einbahnstraße fungiert und die Touriattraktion darstellt. Die andere wal. Stadt, Dalavon, war enttäuschend. Wir fahren auf der 25 nun wieder den Anden entgegen und hoffen auf besseres Wetter. Ab und zu sehen wir die Wege abzweigen zu irgendwelchen Haciendas, wo die Einsamkeit wohl genauso allgegenwärtig sein muß, wie die Kälte.

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Präkolumbianische Geoglyphen zwischen Arica und Iquique (Chile)

Entlang der Anden 

Um Esquel wird es schön Gegend und Wetter. Richtung El Bolson ist die Strecke des Motorradfahrers Traum. Es geht durch Wälder, an Flüßchen entlang und erinnert an die Schweiz. In El Bolson, einem richtigen Touriort, bleiben wir im Salinas. Wir haben nicht nur eine Heizung im Zimmer, sondern auch eine heiße Dusche, unter der wir regelrecht auftauen..... Um Bariloche ist es wieder vorbei mit den Wäldern, und dann verlassen wir die 237, um wieder der 40 zu folgen. In Junin de los Andes hören wir von heißen Quellen im NP, der über 62km Gravel zu erreichen ist - also hin da. Beim Eintritt kommt man durch den Zoll, denn hier kann man auch weiter nach Chile fahren. Der NP ist wunderschön, und wir können mal wieder zelten. Die heißen Quellen entpuppen sich als Löcher im Boden mit sehr heißem Matschwasser. Beim Rauskommen sauen wir unsere Handtücher ein, denn vorher sauber abduschen, das gibt es nicht. Abends nerven uns Mücken und Riesenbremsen, und es kühlt extrem ab (wir hatten Nachtfrost).

Bei der Weiterfahrt nach Zapala haben wir wieder den Wind in langweiliger Gegend. Wir fahren mit dem Entschluß wild zu campen bis in die Nacht. In Neuquen wird es wieder schön und wir erleben einen der kitschigsten Sonnenuntergänge unseres Lebens. Auf dem Dirtstück suchen wir permanent nach einem Seitenweg und zelten dann in feinstem Sand zwischen Vulkangestein.

Trotz schlimmen Streckenzustandes (kaputter Teer) ist die Weiterfahrt wunderschön. Entlang des Rio Grande gehts über Bardas Blancas nach Malargue. Es wird irre heiß. In 25 de Mayo gibt es einen Stausee mit CP, der ja so klasse aussieht - wir widerstehen der Verlockung und fahren über eine langweilige Piste nach Pareditas, wo die Weingegend beginnt. In Vallecito (bei San Juan) kann man als "Pilger" kostenlos campen - der Ort ist ein Nationalheiligtum, denn hier wird die Difunta Correa verehrt.

Hintergrund: In ganz Argentinien findet man am Straßenrand kleine rote Häuschen, oft mit Fahnen geschmückt und immer mit Bergen von fast leeren Plastikflaschen (ein Rest muß schon noch drin sein!). Achtzehnhundertweißkrug lief eine Frau mit ihrem Säuglingssohn durch die Wüste ihrem Mann hinterher (der entweder Militär oder Sträfling war), der in einem Treck voraus war. Sie verdurstete und Maultiertreiber fanden ihre Leiche dort, wo heute der Ort Vallecito ist. Sie hatte das Kind noch an der Brust und es überlebte. Vallecito besteht eigentlich nur aus vielen kleinen Häuschen voller Votivgaben.

Unsere Nacht dort wird hart, denn als Schutzpatronin der Reisenden wie z.B. der LKW-Fahrer, wird sie stets gegrüßt - es wird also die ganze Nacht gehupt.

Bei Patquia und La Rioja kommen wir in die vielleicht schönste Ecke Argentiniens. Es werden Oliven und Wein angebaut. Hier fliegt mir ein großes schwarzes Insekt bei Tempo 120 gegen die Schulter und fällt ins T-Shirt, wo es mich dreimal in den Bauchnabel sticht und eine Notbremsung auslöst. Hinter Catamarca erreichen wir die kleine Stadt La Merced, wo wir auf einem öffentlichen Grillplatz zum Konzert der Sittiche zelten. Wie immer gibts abends argentinischen Wein, der unglaublich billig und gut ist.

Bei den Termas de Rio Hondo relaxen wir in den warmen Pools des CP. Man sieht hier viele Kutschen fahren. In Tucuman erhalten wir den Tipp etwas zurück zu fahren, um über die 307 nach Cafayate zu traveln. Diese Tour ist eine der schönsten, die ich kenne. Es geht durch Wald und an Flüßchen entlang, bis man kurz vor Tafi del Valle den Park der Menhire (präkolumbianische Steinstelen) besichtigt. Es geht über den Paß bei 3054m und dann in großen Serpentinen runter in eine wüste Kakteenlandschaft nach Amaicha del Valle, und bald danach kommt linker Hand die indianische Ruinenstadt Quilmes.

Hintergrund: Die Quilmes wurden nicht von den Inkas unterworfen und wehrten sich auch gegen die Spanier, deren Goldtransporte von Potosi hier entlang führten. Um 1667 wurden sie dann von den Spaniern ausgehungert und die letzten Überlebenden nach Quilmes bei Buenos Aires deportiert, wo das Volk ausstarb.

Quilmes ist eine wirklich sehenswerte Anlage, zumal es auch ein Museum mit wirklich tollen Fundstücken gibt.

2 ½ Stunden später, als mal wieder die Farbe des Straßenbelags wechselt, traue ich meinen Augen nicht, bremse zu halbherzig und mit 80 km/h Restgeschwindigkeit gleiten wir durch eine auf der Straße liegende Sanddüne - mir bleibt fast das Herz stehen aber nichts passiert. Wir fahren an vielen Weingütern mit imposanten Herrenhäusern (teils toll restauriert, teils verfallen) vorbei und kommen gegen 19.00 Uhr in dem Künstlerort Cafayate an. Obwohl wir noch nichts gegessen haben, kann ich nicht widerstehen und order auf der Plaza eine Flasche Wein und zwei Gläser (1,70$). Leicht betrunken fahr' ich die letzten Meter zur Hospedaje, wo wir den Tipp bekommen, um 22.00 im El Rancho bei Live-Musik zu speisen. So eiern wir kreuz und quer durch das Städtchen, bis wir um 22.00 Uhr ein wenig berauschendes Essen serviert bekommen - allerdings ist die Musik das Allerbeste, was ich jemals hörte. Die Spieler bearbeiten Panflöten verschiedener Größe und zwar nicht in der Art verträumter Hirtenmusik, sondern mitreißend wie Wildwasser. Die Klänge laufen von Piccolo bis Didgeradoo - irre.

Weiter gehts durch Dünenlandschaft und eine sich anschließende Schlucht. Die Gegend bleibt des Motorradfahrers Traum - abwechslungsreich ohne Ende. Hinter Salta geht's auf eigentlich nur einspuriger Piste weiter über bewaldete Berge, wo wir einige dramatische Straßenüberschwemmungen durchqueren müssen. An einer bleibt drüben ein 4WD stehen und schaut sich das kommende Drama an. Wasser spritzt über uns, neben uns, Packkoffer tauchen ein, der Bock bremst irre ab, Dampf zischt beim Eintauchen des Motors und bevor mir die AT wegstirbt, erreichen wir das andere Ufer. Er nickt anerkennend und rollt dann selber mit seinem 2-Tonner frei jeder Dramatik durch. An einer Polizeikontrolle erhalten wir ein Infoblatt zu Routen und Orten. Wir bleiben in Jujuy.

Es geht durch die Quebrada de Humahuaca, wo es viele süße Kirchen hat. Der letzte Rest Argentiniens ist schlechte Dirtroad bis La Quiaca. Wie in Bolivien, suchen wir auch hier planlos den Grenzübergang, der dann auf einmal irgendwo im tiefsten Chaos auftaucht.

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In den Bergen vor San Salvador de Jujuy

Wieder im Heimatland 

Alarm, Chaos und Dirtroad - hallo Bolivien! Eine Canyonlandschaft mit roter Erde und voller Kakteen tut sich bald auf und wir erreichen das "Bienvenidos a Tupiza". Wo wir übernachten.

Die Weiterfahrt wird etwas schwieriger. LKWs sind oft nur schlecht zu überholen und man schluckt seinen Teil des Staubs. Schlaglöcher und Bodenwellen etc., aber absolut machbar. Vor Potosi jedoch wird es entsetzlich. Mehrmals müssen wir durch fließendes Wasser, durch tiefen Matsch, und die Strecke wird eine Folge tiefer Schlaglöcher und spitz rausragender Steine. Mensch und Material leiden. Mein Hinterreifen ist fast blank und ich bete "Bitte keinen Platten, nicht hier!". Die Wege um Potosi sind das Schlimmste, was ich je gefahren bin, und das nächste Mal werden wir den Zug nehmen oder über Yacuiba fahren. Fast über den Silberberg kommend, erreichen wir das verregnete Potosi und suchen schnell eine Bleibe. Wir sind völlig eingematscht und in meinen Stiefeln steht das Wasser - aber Motorradfahren macht doch Spaß, oder?

Mein armes Moto - die Piste bleibt entsetzlich. Kurz vor Ende des Dirts stecken Bus und LKW fest und versperren so die Piste. Ein 4WD der rechts umfahren wollte, steckt auch fest, also probiere ich es links und - na klar - steck' auch fest. Ann muß runter und anschieben. Ich fahr' dann mit stetigen 20 km/h weiter auf der Suche nach einer Furt, um auf die Piste zurückzukommen. Anhalten kann ich nicht ohne mich wieder einzugraben, also muß Ann in voller Monteur einen guten Kilometer hinterher stapfen. Danach kommt noch eine tief (knapp 1m) ausgefahrene LKW-Spur. Da ich in den Spurrillen bleiben muß, wird es recht dramatisch, da der Koffer zuweilen an der Spurrillenwand schleift. Doch bald danach erreichen wir besten, nagelneuen Teer. Der Dreck fliegt von der AT und wir freuen uns sehr, ohne Panne rausgekommen zu sein. Nun nach Hause! Die AT rollt jetzt so ruhig ab, daß wir meinen zu fliegen. Als ich einen Hang hochkachel', lacht mich ein letztes Mal der Teufel an, denn hinter der Kuppe fehlt die Brücke! Notbremsung aus 130 bei voller Beladung, alles geht gut und wir fahren durch den Fluß. Ja, wir sind wirklich wieder in Bolivien. Am 15.02.01 um 19.30 laufen wir zu Hause ein. Wir sind völlig fertig und wenn mich einer fragte, ob das Urlaub war.... Auch mache ich mir Gedanken, ob ich Ann zu solchen Gewaltakten zukünftig überreden werde können. Ihre erste Motoreise war nicht gerade frei von Härten. Während ich in der Wanne liege und die Wärme in das Knochenmark einströmt, kommt sie rein und fragt: "Sag mal, ist das eigentlich schwer Motorrad zu fahren?"

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